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So gelingt das Bewerbungsschreiben garantiert

Das Anschreiben ist der komplizierteste Teil einer Bewerbung. Während ein guter Text einen Bewerber positiv aus der Masse hervorstechen lassen kann, katapultiert ein unprofessionelles Anschreiben den Bewerber direkt ins Aus. Mit diesen Tipps gelingt das Bewerbungsschreiben garantiert.
Veröffentlicht am 18.02.2019

So gelingt das Bewerbungsschreiben garantiert. Foto: Gettyimages/Melpomenem
Foto: Gettyimages/Melpomenem

Das Bewerbungsanschreiben ist der wohl komplizierteste Teil einer Bewerbung. Während ein gutes Anschreiben einen Bewerber positiv aus der Masse hervorstechen lassen kann, katapultiert ein unprofessionelles Anschreiben den Bewerber im schlechtesten Fall direkt ins Aus. Mit diesen Tipp gelingt das Bewerbungsschreiben garantiert.

Info zum Unternehmen

Bevor Sie sich an das Formulieren eines Bewerbungsschreibens machen, ist es unverzichtbar, sich umfassend über das gewünschte Unternehmen zu informieren. In welcher Branche ist das Unternehmen zu Hause? Was sind die größten Mitbewerber und was unterscheidet die ausgewählte Firma vom Rest? Und am wichtigsten: Was genau wird in der Stellenbeschreibung gesucht und erfülle ich alle Muss- und Kann-Voraussetzungen? Erst wenn Sie alle Fragen beantworten können, sollten Sie mit dem Schreiben beginnen.

Tipp: Es ist sinnvoll, sich den Pressebereich auf einer Unternehmenswebsite anzuschauen. Dort sind alle relevanten Informationen und Zahlen zum Unternehmen kompakt zusammengefasst. Auch aktuelle Pressemitteilungen können ein guter Aufhänger für den Einstieg des Anschreibens sein.

Aus diesen Teilen besteht ein Bewerbungsschreiben

1. Absender und Adresse Unternehmen
Ganz oben auf Ihrem Bewerbungsschreiben stehen sowohl Ihre Kontaktdaten als auch die des Unternehmens, bei dem Sie sich bewerben. Achten Sie darauf, dass hier alle Angaben korrekt und vollständig sind. Haben Sie Ihre Handynummer und E-Mail-Adresse angegeben? Ist die Rechtsform des Unternehmens korrekt und haben Sie den in der Ausschreibung angegebenen Ansprechpartner angegeben? Ja? Wunderbar, dann können Sie mit dem nächsten Schritt weitermachen.

2. Betreffzeile/Datum
In der Betreffzeile nennen Sie konkret die Position, auf die Sie sich bewerben. Falls angegeben, kann hier auch eine Referenznummer Bezug genommen werden. Diese Zeile ist auch die einzige, die Sie in einem Fettdruck hervorheben können.

Achtung: Das Wort „Betreff:“ vor die Betreffzeile zu setzen ist überholt. Es reicht aus, mit „Bewerbung um eine Stelle als xy“ zu beginnen. Dabei darf die Länge von einer Zeile jedoch nicht überschritten werden.

3. Anrede
Da kann man doch nicht viel falsch machen, oder? Oh doch, das kann man sehr wohl! Zum Beispiel mit dem falsch geschriebenen Namen des Ansprechpartners (war es jetzt Schmidt oder Schmitt?). Oder aber dem falschen Geschlecht der Kontaktperson.

Machen Sie besonders bei Namen die geschlechtsneutral sind sicher, ob es sich bei der adressierten Person jetzt um einen Mann oder um eine Frau handelt (Andrea kann z. B. auch ein italienischer Vorname für Herren sein). Sollte in der Stellenausschreibung kein Ansprechpartner genannt sein, versuchen Sie diesen auf anderem Weg herauszufinden. Sei es über die Unternehmenswebsite, Karriereseiten wie Xing oder LinkedIn oder aber durch einen kurzen Anruf im Unternehmen.

Das zeigt, wie sehr Sie sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben und macht die Bewerbung persönlicher. Erst wenn Sie wirklich durch keine dieser Optionen erfolgreich sind, sollten Sie auf die Standardfloskel „Sehr geehrte Damen und Herren“ zurückgreifen.

4. Einleitung
An dieser Stelle entscheidet sich, ob Sie mit Ihrer Bewerbung Erfolg haben oder nicht. Klingt drastisch, ist aber so. Denn hier trennt sich die Spreu vom Weizen und die Personaler sehen, welche Bewerber aus der breiten Masse hervorstechen. Vermeiden Sie es, mit Floskeln wie “Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als …“ oder „mit Begeisterung habe ich Ihre Stellenanzeige gelesen…“ zu beginnen – das steht zum einen schon im Betreff und zeugt zum anderen von wenig Kreativität.

Machen Sie den Personaler also mit einem spannenden und unerwarteten Einstieg neugierig. Trauen Sie sich ruhig, ungewöhnlich zu starten – beispielsweise mit einer kleinen Anekdote aus Ihrem Leben (natürlich nur mit Bezug zur ausgeschriebenen Stelle). Formulieren Sie Ihre Sätze dabei aktiv und emotional (z.B. „Ich brenne für meinen Beruf als xy“). Seien Sie zudem ruhig selbstbewusst und belegen Sie Ihre Erfolge und Vorzüge durch praktische Arbeitserfahrungen. Falls Sie zudem schon einmal Kontakt zum Unternehmen gehabt haben sollten (z. B. telefonisch oder auf Messe), beziehen Sie sich gerne direkt zu Beginn darauf. Beschränken Sie sich bei der Einleitung jedoch auf eine Länge von maximal 3-4 Zeilen.

Beispiele:

„Es hat mich sehr gefreut, Sie am xx.xx.xxxx auf der Jobmesse in Würzburg kennenlernen zu dürfen.“

 „Vielen Dank für das freundliche Telefonat am xx.xx.xxxx. Wie bereits besprochen, lasse ich Ihnen hiermit meine Bewerbungsunterlagen zukommen“

 „Sie sind auf der Suche nach einem hoch motivierten und kreativen Sprachtalent? Ja? Hier bin ich!“

 „Gleich zu Beginn möchte ich Ihnen die Gründe nennen, warum ich mich perfekt für die ausgeschriebene Stelle eigne:…“

 Achtung: Seien Sie in der Einleitung gerne selbstbewusst und ehrlich, aber bitte prahlen Sie nicht. Das wirkt schnell überheblich und egozentrisch. Auch das negative Auslassen über den aktuellen Arbeitgeber macht keinen guten Eindruck.

Hauptteil

In einem guten Hauptteil sollte auf folgende Punkte eingegangen werden:

  • Qualifikationen
  • Berufliche Erfolge
  • Motivation und Ziele

In welcher Reihenfolge diese Punkte genannt werden sollen, da gehen Expertenmeinungen auseinander. Entscheiden Sie am besten spontan und schauen Sie, welche logische Reihenfolge sich im Schreibfluss ergibt.

Als grobe Richtlinie empfehlen einige Fachleute die „Ich-Sie-Wir“-Methode. Hierbei starten Sie zunächst mit der Beantwortung von Fragen zu Ihrer Person „Wer bin ich?“, „Welches Interesse habe ich an dem Job?“, „Welche Fähigkeiten bringe ich mit?“ und „Was sind meine Stärken?“.

In dem „Sie“-Teil erläutern Sie, warum das angeschriebene Unternehmen zu Ihnen passt. Passen Sie hier jedoch auf nicht mit leeren Aussagen wie „Ihr einzigartiges Unternehmen kennt man mit einem Marktanteil von xy in ganz Europa“ zu arbeiten. Das Unternehmen weiß über seine Zahlen und Geschichte Bescheid und möchte in einer Bewerbung nichts über sich selber lesen.

Im „Wir“-Teil verbinden Sie dann Ihre Fähigkeiten mit den Anforderungen des Unternehmens und überzeugen den potenziellen Arbeitgeber, dass eine Zusammenarbeit mit Ihnen der Firma einen großen Mehrwert bietet.

Versuchen Sie zudem, sich auf Ihre Soft Skills wie Teamfähigkeit, Eigeninitiative oder Zeitmanagement zu konzentrieren. Ihre fachlichen Kompetenzen kann man aus dem Lebenslauf entnehmen. Achten Sie dabei jedoch darauf nicht immer mit „Ich bin…“ zu beginnen. Das kann schnell narzisstisch wirken. Zeigen Sie Ihre Skills besser in einem Kontext mit konkreten Beispielen aus Ihrem Arbeitsalltag auf. Fokussieren Sie sich dabei jedoch lediglich auf die Höhepunkte und für die Stelle relevanten Fähigkeiten und belegen Sie diese bestenfalls mit konkreten Zahlen (z. B. „Während meiner fünfjährigen Anstellung als Controller konnte ich die Betriebskosten um 15 % senken, indem ich eine neue Software zur Angebotseinholung eingeführt habe“).

Schlussteil

In den letzten Absatz Ihres Anschreibens gehören Zusatzinformationen wie Eintrittsdatum oder Gehaltsvorstellungen (wenn diese in der Ausschreibung gefordert wurden). Ein realistisches Gehalt zu nennen fällt oft vor allem Berufseinsteigern schwer. Hier helfen Vergleichswebsites wie https://www.absolventa.de/gehaltsvergleich dabei, sich über branchenübliche Gehälter zu informieren. Die Vorstellungen sollten zudem immer als Bruttobetrag angegeben werden.

Vermeiden Sie beim letzten Satz zudem den Konjunktiv! Während man in den 80er- und 90er-Jahren ganz selbstverständlich mit einem „Über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen“ endete, gilt diese Art zu formulieren heute als überholt. Es wirkt wenig selbstbewusst. Besser klingt es, wenn Sie im Indikativ formulieren: „Über eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch freue ich mich sehr“.

Als Grußformel spricht nichts gegen das klassische „Mit freundlichen Grüßen“. Damit kann man tatsächlich nicht viel falsch machen. Wer auch das Ende seines Anschreibens auflockern möchte, kann noch die Stadt, aus der man grüßt, hinzufügen (z.B. „Mit freundlichen Grüßen aus Würzburg“).

Unter die Schlussformel (welche übrigens nicht mit einem Komma am Ende versehen wird) gehört Sie Ihre Unterschrift. Besonders professionell wirkt es, wenn Sie diese einscannen und in das Dokument einfügen. Sollten Sie eine ausgedruckte Version versenden, unterschreiben Sie natürlich direkt auf dem Dokument. Für das Signieren werden ausschließlich Kugelschreiber oder Füller in schwarzer oder blauer Farbe verwendet. Fineliner, Filzstifte oder Bleistifte in bunten Farben wirken unprofessionell.

Formatierung

Als gängigste Schriftarten haben sich „Times New Roman“ und „Arial“ durchgesetzt. Ähnlich aber doch ein wenig individueller sind hingegen die Schriften „Georgia“ und „Helvetica“. Diese sind klassisch, aber setzen sich doch ein wenig von der breiten Masse ab. Die Schriftgröße des Anschreibens sollte zwischen 10 und 12 Punkt liegen und der Text möglichst linksbündig formatiert werden.

Bewerbungs-Checkliste

Es ist vollbracht: Das Bewerbungsschreiben ist fertig. Sie haben es geschafft, sich überzeugend aber nicht überheblich auf einer Seite Ihrem neuen potenziellen Arbeitgeber zu präsentieren. Aber bevor Sie die Bewerbung endgültig abschicken, sollten Sie noch einmal auf Nummer sicher gehen. Dabei helfen folgende Fragen:

  1. Sind die Sprache und die Form des Anschreibens der Branche angemessen? (Die Tonalität für eine Stelle im Finanzbereich ist wesentlich förmlicher als für eine Marketingstelle).
  2. Sind keine Rechtschreibungs-, Grammatik- oder Kommasetzungsfehler mehr vorhanden? Und haben Sie auch noch einmal eine außenstehende Person über Ihr Schreiben schauen lassen?
  3. Haben Sie in sämtlichen Sätzen den Konjunktiv weggelassen und sich selbstbewusst präsentiert?
  4. Sind im Text mehr starke Verben und weniger Adjektive vorhanden?
  5. Haben Sie Ihre Stärken mit konkreten Beispielen belegt und leere Behauptungen vermieden?
  6. Sie stellen sich selbstbewusst dar, prahlen aber nicht mit übertriebenen Superlativen?
  7. Sie schreiben in kurzen prägnanten Sätzen anstatt in langen und komplizierten Schachtelsätzen?
  8. Bei einer Online-Bewerbung: Haben Sie Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse zu einem PDF-Dokument zusammengefügt, das eine Gesamtgröße von 3 MB nicht überschreitet?

 

Wenn Sie alle Antworten mit „ja“ beantworten und auch Ihre Familie und Freunde keine Fehler mehr finden, kann sich die Bewerbung auf den Weg zu Ihrem potenziellen Arbeitgeber machen. Wir drücken die Daumen, dass es klappt. An Ihrem Anschreiben wird es jetzt sicherlich nicht mehr scheitern.